3 Gründe, wieso Übersetzung in der Schweiz unentbehrlich ist

3 Gründe, wieso Übersetzung in der Schweiz unentbehrlich ist

Die Mehrsprachigkeit ist ein wesentlicher Aspekt der Identität der Schweiz. Etwa 65% sprechen Deutsch (Dialekt und Hochdeutsch), gut 23% Französisch, etwa 8% Italienisch und etwa ein halbes Prozent Rätoromanisch. Im Ausland wird manchmal fälschlicherweise angenommen, dass alle Schweizerinnen und Schweizer vier Sprachen beherrschen. Die meisten Menschen leben jedoch in ihrer Sprachregion und nutzen Zeitungen, Radio, Fernsehen und neue Medien in ihrer Sprache. Somit sind sprachliche Barrieren vorprogrammiert. Um diese zu überwinden und für einen kulturellen Austausch zu sorgen, der die Sprachenvielfalt bewahrt und beschützt, braucht es den Dienst der Übersetzung. Die Schweiz wirft regionalspezifische Gründe auf, wieso dort die Übersetzung von hoher Bedeutung ist:

1. Schweizer durch ihre Muttersprache besser erreichen

Die Mehrsprachigkeit ist in der Schweiz nicht nur gelebte Identität, sondern im Sprachengesetz verankert. Doch nur wenige Schweizer beherrschen alle vier Landessprachen. Im Schulunterricht ist lediglich Englisch obligatorisch. Das bedeutet für Unternehmer, dass sie sich gut entscheiden müssen, welche Sprache sie wählen wollen, um an Ihre Kunden heranzutreten. Als Beispiel nehmen wir mal einen Online Anbieter, der seine Website gestalten möchte. Um den schweizer Markt möglichst abzudecken, könnte er sich für Englisch entscheiden. Doch es ist nachgewiesen, dass Kunden dem Anbieter mehr Vertrauen entgegenbringen, wenn er sie auf ihre Muttersprache adressiert. Dies ist verständlich, da Kunden heutzutage schnell den Überblick verlieren, wenn es um die Wahl des richtigen Anbieters geht. Sie folgen dann Ihrem Bauchgefühl und Ihre Muttersprache bietet direkten Zugang dazu. Würde also der Online-Anbieter in die Übersetzung seiner Website auf deutsch, italienisch und französisch investieren, würde er so seine Zielgruppe signifikant erweitern. 

Wissenswert

Die Sprachen in der Schweiz

Ein kleiner Überblick über die 3 größten Sprachgemeinschaften in der Schweiz:

Schweizer Deutsch

Obwohl alle vier Amtssprachen in der Schweiz offiziell anerkannt sind, ist Schweizerdeutsch am Arbeitsplatz die am weitesten verbreitete Sprache (über 60%)¹. Etwa 65 % der schweizer Bevölkerung sprechen zurzeit Deutsch (Dialekt und Hochdeutsch)². Der Einfachheit halber legt man sich immer mehr auf eine Arbeitssprache fest, was nach und nach das kulturelle Reichtum bedroht. Übersetzung wirkt dem entgegen und bewahrt die schweizer Sprachenvielfalt.

Schweizer Französisch

In der Westschweiz, der sogenannten Romandie, wird Schweizer Französisch gesprochen. Mit einem Anteil von 23% ² ist sie damit die zweit meist gesprochene Sprache in der Schweiz. Sie zeichnet sich durch regionale Besonderheiten in der Aussprache und der Lexik aus.

Das Französisch in dieser Region hat keine grammatikalischen Unterschiede zu seinem Sprach-Vettern aus Frankreich, ist aber dennoch deutlich wahrnehmbar dem schweizerdeutschen Spracheinfluss ausgesetzt. Vor allem amtliche Texte der Bundesverwaltung neigen zu übermäßig wortgetreuen Übersetzungen aus dem schweizerdeutschen, was in der Romandie mitunter abwertend als “Bundesfranzösisch” bezeichnet wird. Es ist eine Form von Kritik an der Bundesbürokratie und an der Geringschätzung des Französischen durch die deutschsprachige Mehrheit.

Schweizer Italienisch

Die dritthäufigste Landessprache wird in der Italienischen Schweiz gesprochen, die sich aus dem Kanton Tessin und einen Teil des Kantons Graubünden zusammensetzt. Sie ist auch eine der meistgesprochenen Sprachen in der Deutschschweiz. In den 50er und 60er Jahren brachten die italienischen Gastarbeiter ihre Sprache mit und bis heute übt sie als Lingua Franca zwischen ausländischen Arbeitern ihren Einfluss in der Schweiz aus. Mit dem Abebben des Zuzugs italienischer Gastarbeiter seit den 70ern ist auch das Schweizer Italienisch immer mehr zurückgegangen und macht nur noch 8 % ² der schweizer Sprachlandschaft aus. Dennoch bleibt es als eine der vier Amtssprachen von nennenswerter Bedeutung. 

Kurz gefasst: Die Schweizer sind zwar mehrsprachig aufgestellt, doch ihr Vertrauen als Kunden gewinnt man am besten über die jeweilige Muttersprache.


2.  Erfolgreich in die Nachbarländer expandieren

Nicht nur im Inland ist die Übersetzung in den Amtssprachen von großer Bedeutung für Unternehmer. Die Nachbarländer der Schweiz sind wichtige Business Partner und wer expandieren und zum Beispiel nach Frankreich exportieren möchte, kommt nicht um Übersetzung herum. Die drei grössten Sprachgemeinschaften haben kulturelle Verbindungen zu den jeweiligen Nachbarländern: Die Westschweiz zu Frankreich, die Deutschschweiz zu Deutschland und Österreich und die italienischsprachige Südschweiz zu Italien.

Wissenswert

Die wichtigsten Business-Partner der Schweiz

Die wichtigsten bilateralen Beziehungen der Schweiz zu dessen Nachbarländer:

Deutschland

Die Schweiz und Deutschland sind durch einen regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch miteinander verbunden. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz. 2019 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 44.1 Milliarden CHF¹

Italien

Italien ist der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. 2017 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 15.8 Milliarden CHF. Besonders eng ist der Austausch entlang der gemeinsamen Grenze, wo mehr als 70‘000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Italien täglich in die Schweiz zur Arbeit kommen.¹

Frankreich

Frankreich ist mit einem Außenhandelsanteil von 6,5% der fünftwichtigste Handelspartner und mit Investitionen in der Höhe von 48,7 Milliarden Franken der viertgrößte ausländische Investor in der Schweiz. 180.000 französische Staatsangehörige reisen täglich zur Arbeit in die Schweiz ein.¹



Lokalisierung

Die kulturellen Nuancen müssen dabei berücksichtigt werden. Schweizer Französisch ist nicht identisch mit der in Frankreich gesprochenen Standardsprache und auch Schweizerdeutsch weist unterschiede zu Hochdeutsch auf. Diese Nuancen können große Auswirkungen haben, wenn sie nicht beachtet werden. So fand zum Beispiel die Seite Websiteboosting, die sich mit Suchmaschinenoptimierung befasst, heraus, dass die Nutzung der deutschen Rechtschreibung, in diesem Falle “ß” statt “ss”, von Google auf der Ergebnisanzeige viel höher gestellt wird als die schweizer Variante. Dies bedeutet, dass es einen erheblichen Einfluss auf die Sichtbarkeit der Website hat, ob man sie auf Hochdeutsch oder auf Schweizer Deutsch übersetzt ³.

3. Im Ausland reibungslos studieren oder arbeiten 

Ob es ein Studium in Brüssel oder ein neuer Firmenstandort in Strasbourg ist, viele Schweizer zieht es auch in die Nachbarländer. Spätestens wenn es darum geht, die eigenen Urkunden im fremden Land einzureichen, kommt wieder Übersetzung ins Spiel. Vor allem wenn es um offizielle Dokumente geht, bei denen eine beglaubigte Übersetzung nötig ist. Andersherum arbeiten auch viele in der Schweiz, leben aber eigentlich in eines der Nachbarländer und pendeln hin und her.  Die Vielseitigkeit an Dokumenten, die übersetzt werden müssen, reicht von Schul-Diplomen für die Bewerbung bei der Uni im Ausland, über Nachweise für die Versicherung in der Heimat bis hin zu Gründungsverträgen für die eigene Firma.




Quellen:
¹ eda.admin.ch
² swissinfo.ch
³ www.websiteboosting.com/magazin/20/alles-unter-einem-d-a-ch-drei-laender-mit-der-gleichen-sprache-in-konkurrenz-beim-ranking.htmlbel

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